Sexualpsychopathologie:10-03-2010

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Hier sind die ⇒ Folien 2010  (Alfred Springer)


Im Folgenden ein paar chaotische Aufzeichnungen... Wer etwas zu ergänzen hat bitte hier.


Sexualpsychopathologie (10 März 2010)

Verhaltensauffälligkeiten im Bereich der Sexualität werden als Krankheiten erklärt.

Gibt es hierfür eine Berechtigung? Wann spricht man von einer Krankheit?


sexuelle Entwicklung als Kompromiss zwischen Regelsystem und Individuum.

Die sexuelle Entwicklung findet im kulturellen Rahmen statt in Übereinstimmung mit den eigenen Vorstellungen (Triebe, Hormone, Psyche).

Sexual- und Essrituale gehören zu den ersten gesellschaftlichen Regelungen. Kirche und Staat bestimmen moralisch verwerfliche Verhaltensweisen, das sind in der Regel solche, die nicht zur Befruchtung führen.


Psychiatrie / Psychologie mit Kontrollfunktion

naturwissenschaftlich geprägte Begründungen in forensischen Gutachten, die zu strafrechtlicher Verfolgung führen.

auch Machtausübung d. Gesellschaft, Kritik ist auf jeden Fall notwendig → Todesstrafe für Homosexuelle unter dem Nationalsozialismus (rosa Winkel)

historischer Einfluss:

1968: erste Umbrüche, Alternativinterpretation von Sex (positive Wertung), vor allem aufgrund der Erfindung der Anti-Baby-Pille.

Erstmals Trennung von Sex und Fortpflanzung. Orgasmen durften erlebt werden ohne den "bösen" Folgen ;-). auch der Zugang zur Masturbation hatte sich geändert, dadurch auch Kommerzialisierung (Pornos, Produkte zur Masturbation).

Weitere Kontrazeptionsmöglichkeiten und Behandelbarkeit von sexuellen Infektionen (Syphilis...) führen zu immer lockererem Umgang mit Sexualität. Dennoch Fortpflanzungsfunktion natürlich nicht zu unterschätzen.


1983: Dann kam AIDS: Menschen sterben wieder an Sex, ganze (Künstler)Gruppen sterben.

Neues Kontrollbedürfnis entsteht → Safer Sex, sexuelle Praktiken, die früher eher pervers galten werden plötzlich besser bewertet (z.B. Oral weil niedrigeres Risiko, wenn keine Penetration).

Teilweise sicherlich Überschätzung der Gefahren von Geschlechtsverkehr.


Jetzt: Psychiatrie neue Standortbestimmung: Derzeitige Themen betreffen sexuelle Gewalt, Missbrauch, Psychiatrie neue Standortbestimmung.

Devianz-Definitionen

  • Primäre Devianz: Die Abweichung von einer bestimmten Norm.
  • Sekundäre Devianz: Abweichungsverstärkung als Reaktion auf den gesellschaftliche Respons auf die primäre Devianz in einem Feedback- Prozess.

Sekundäre Devianz:Stigmatisierung von Abweicher_innen führt zu Marginalisierung, man kann diese Abweichung als Betroffene_r positiv oder negativ empfinden, es kommt zu Gruppenbildung die teilweise kriminalisiert werden. Es gab ein abweichendes Schutzalter für homosexuelle Beziehungen. Bis in die 1970er wurden Homosexuelle unter Sodomieprakitizierende subsummiert.

Besonders die homosexuelle Pubertät wurde pathologisiert, da der jüngere Partner (unter Schutzalter) den älteren quasi durch seine Verführungen kriminell macht, dies macht dem Pubertierenden seine Deviation besonders deutlich, es bilden sich Gruppen, die für ihre Rechte kämpfen, durch das Bekenntnissverbot sind diese illegal → Kriminalisierung führt zu weiteren psychosozialen Reaktionen.


Abweichungen

  • Abweichung von Idealnorm: Überschreitung moralischer Regeln und Vorstellungen (Moral!)
  • Abweichung von Durchschnittsnorm: Handlung, die von der Mehrheit nicht ausgeübt wird und daher den Täter in eine Minderheitenposition versetzt.

Durchschnittsnorm: statistische Norm zeigt welche Bedürfnisse von der Mehrheit ausgeübt wird, macht man etwas anderes gerät man in die Minderheitenposition.


Dimensionen der Geschlechtlichkeit

Biologisches Geschlecht

Kerngeschlecht

Hormongeschlecht

SEX
Soziokulturelle Dimension

Namensgebung

Attribution

Geschlechtsrolle

GENDER

"Objektive Norm"

Psychisches Geschlecht

Geschlechtsidentität

Subjektive Norm


Psychisches Geschlecht als subjektive Norm:

Bsp.: Masochismus in Folge von früheren Gewalterfahrungen, man hat gelernt mit dem Schmerz umzugehen, kanalisiert ihn zu erotischen Empfindungen, besonders wenn nur Gewalt als körperliche Erfahrungen erfahren wurde. Individuum empfindet Schmerz tatsächlich dann als angenehm. 

Bsp2: Kirche hat anderes Verständnis: Sünden haben eine Funktion, weil können durch Vergebung (nach Beichte) zu Gutem führen. Gott vergibt (auch Kindesmissbrauch), Delikte verschwinden nach Beichte. Es gab sogar Opfer die nach der Sünde ihrem Täter beichteten...


Regeln der Geschlechtlichkeit von Garfinkel

wurden (noch) nicht von ihm durchgegangen.

  1. Es gibt zwei – und nur zwei Geschlechter (männlich und weiblich)
  2. Das Geschlecht ist unveränderlich (Wenn du männlich oder weiblich bist, dann warst du es immer und wirst es auch immer bleiben)
  3. Die Geschlechtsorgane bezeichnen essentiell das Geschlecht (der Mann besitzt einen Penis, die Frau eine Scheide)
  4. Ausnahmen von den beiden Geschlechtern sind nicht ernst zu nehmen. (Sie sind Scherze, pathologische Bildungen, etc.)
  • Es gibt keine Übergänge zwischen den Geschlechtern außer im zeremoniellen Kontext (Fasching, etc)
  • Die Dichotomie männlich – weiblich ist naturgegeben.
    (Männer und Frauen existieren unabhängig von wissenschaftlichen oder anderen Kriterien dafür ein Mann oder eine Frau zu sein).
  •  Die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht ist naturgegeben.
    (Mann oder Frau sein hängt nicht davon ab, ob irgendjemand darüber entscheidet, was man ist. )
  • Jeder Mensch muss nach seinem Geschlecht klassifiziert werden
    (Es gibt keinen Fall, dem kein Geschlecht zugeordnet würde).


Gemeinschaft sieht also männlich von weiblich getrennt → Fortpflanzungsideal!

Christentum schränkt Sexualität auf eigene Art ein. Sie definiert erstmals Sodomie als verwerflich, aber auch Homosexualität und Onanie.

Perversionslehre im psychologischen Diskurs.


Dimensionen der geschlechtsbezogenen „Abweichung“

  • Überschreitung körperlicher Bedingungen
  • Abweichung von vorgegebenen Zielen 
    (früher: nur Fortpflanzung, heute auch Lust & Beziehung)
  • Abweichung von vorgegebenen Regeln
  • Abweichung von den Vorgaben des Sexuellen Dimorphismus

Gestalt und Raum der Abweichung

  • Fantasie
  • Aktion
  • Beziehung zwischen hysterischer und perverser Position:
    Die Hysterie bietet den fantastischen Unterbau für die praktizierte sexuell-perverse Handlung (Mitchell, 2000)
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