Klinische Psychologie des Kinder und Jugendalters

Aus Kognitiv Wiki - Kognition, Neuro, Bio, Psycho Wissen
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Vorlesungsverzeichnis


Take Home Messages

Einführung

  • Kinder sind von psychischen Störungen / Verhaltenshäufigkeiten ähnlich oft betroffen wie Erwachsene.
  • Psychische Störungen bei Kindern wachsen sich nicht einfach aus.
  • Entwicklungspsychopathologie ein interdisziplinäres und integratives Fach.
  • Risiko- / Schutzfaktoren sind nicht 2 Seiten derselben Medaille.


Diagnostik

  • Nur eine umfassende und genaue Diagnostik ermöglicht eine effektive Therapie.
  • Bei der Diagnostik und Klassifikation im Kindes- und Jugendalter sind einige Besonderheiten zu beachten (Altersangemessene Erhebungsinstrumente, Übereinstimmung der verschiedener Informanten und Motivation).
  • Diagnosen sind Konstrukte, welche auf einem Konsensus von Experten und auf dem aktuellen wissenschaftlichem Stand der Forschung beruhen.


Bindungsstörungen

  • Bindungsstörungen stehen in engem Zusammenhang mit Beziehungsabbrüchen, Missbrauch/Misshandlung und Deprivation
  • Bindungsstörungen haben weitereichende Folgen für die Kindliche Entwicklung und gehen mit einer Reihe weiterer Störungen einher
  • Noch keine Diagnostik nach DSM/ICD -> Misshandlung ist keine Störung


ADHS

  • 3 Kernsymptome der Störung: Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit, Impulsivität
  • Vor dem 7. Lebensjahr, situationsübergreifend, mind. 6 Monate andauernt
  • ADHS gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Störungen bei Kindern (3-5% aller Schulkinder)
  • 2/3 der Patienten haben eine weitere Störung
  • Ätiologie: klare neurobiologische Ursachen, aber auch Umweltfaktoren (Erziehungsstil, Interaktionen) spielen eine Rolle
  • Diagnostik und Therapie multimodal und multimethodal


Tics & Zwang

Tics

  • Tics = unwillkürliche, rasche, wiederholte, nichtrhythmische motorische Bewegungen (motorische Tics) oder vokale Produktionen, die plötzlich einsetzen und keinem offensichtlichen Zweck dienen (vokale Tics)
  • Ticsymptomatik meist in Kindheit oder Adoleszenz, im Erwachsenenalter nimmt die Symptomatik ab
  • Störung der subkortikalen Eigenhemmung und der motorischen Bewegungskontrolle
  • Behandlung: verhaltenstherapeutisch und Pharmakotherapie


Zwangsstörungen

  • Zwangsstörungen (Z.gedanken & Z.handlungen) bereits im Kindes- und Jugendalter sehr belastende Störung
  • Neurobiologische und Lerntheoretische Faktoren an der Entstehung beteiligt
  • Therapie der Wahl: Exposition mit Reaktionsverhinderung
  • gegebenenfalls mit zusätzlichen metakognitiven Interventionen
  • Einbezug der Familie!


Säugline

Regulationsstörungen

  • Regulationsstörungen (RS) umfassen das Exzessive Schreien, Schlaf- und Fütterstörungen
  • RS sind nicht nach ICD-10 bzw. DSM-IV klassifizierbar.
  • RS sind immer im Zusammenhang mit den Belastungssymptomen der Eltern und einer gestörten Eltern-Kind-Interaktion zu betrachten.
  • RS sind nicht trivial, da sie oftmals mit späteren Verhaltensstörungen im Zusammenhang stehen.
  • Die Diagnostik und Behandlung von RS erfolgt multimodal und multiprofessionell.


Essstörungen

  • Bei Anorexia Nervosa kommt es durch strenge Kalorienreduktion zu einem gravierenden Gewichtsverlust mit einer Vielzahl somatischer Symptome. Charakteristisch auf psychologischer Ebene ist eine übermässige Angst vor Gewichtszunahme und ein verzerrtes Körperschema.
  • Die Bulimia Nervosa geht mit häufigen, unkontrollierbaren Essanfälle, denen meist selbstinduziertes Erbrechen folgt einher. Psychologisch auffällig sind eine übertriebene Beschäftigung mit der eigenen Figur und dem Körpergewicht und die übersteigerte Bedeutung der Figur für das Selbstwertgefühl.
  • Das Störungsmodell beider Störungen berücksichtigt prädisponierende Faktoren (wie z. B. familiäre Bedingungen oder biologische Disposition), auslösende Ereignisse (z. B. Trennung, Verlust) und Faktoren der Aufrechterhaltung (z. B. psychologische Auswirkung von Mangelernährung).


Störungen des Sozialverhaltens

  • SSV: sich wiederholendes Muster dissozialen, aggressiven und aufsässigen Verhaltens, durch das die grundlegenden Rechte anderer und wichtige altersgemäße gesellschaftliche Normen oder Regeln verletzt werden
  • 2 Subtypen (impulsiv-aggressiv, instrumentell-aggressiv)
  • SSV häufig lebenslang persistierend von schlechter Prognose
  • Kindes- und Jugendalter die am häufigsten diagnostizierte Störung
  • Auftretenshäufigkeit steigt im Jugendalter an
  • Jungen wesentlich häufiger betroffen als Mädchen
  • Multifaktorielle Ätiologie biopsychosozialer Risikofaktoren
  • Fließende Übergänge zwischen Prävention und Therapie.
  • Die Therapie muss multimodal sein und die Eltern einbeziehen
  • gesamtgesellschaftliches Anliegen


Tiefgreifende Entwicklungsstörungen

  • Tiefgreifende Entwicklungsstörungen: Fehlende Kompetenz, spezifische kognitive, sprachliche und motorische Fähigkeiten zu erwerben.

Autistische Störungen:

  • Qualitative Beeinträchtigung der verbalen und nonverbalen Kommunikation
  • Qualitative Beeinträchtigung der reziproken sozialen Interaktion
  • Eingeschränkte Interessen (Spezialinteressen) und repetitive Verhaltensmuster
  • Auftreten der Störung vor dem 3. Lebensjahr
  • Ungewöhnliches sensorisches Empfinden


Depression

  • Symptomatik der Depression ist altersabhängig und entspricht nur teilweise den für Erwachsene gültigen Kriterien.
  • Ätiologie: Kombination aus genetischer Disposition, ungünstigen Entwicklungsbedingungen und der Konfrontation mit belastenden Lebensereignissen
  • Komorbidität hoch: Angst- und Zwangsstörungen, Hyperaktivität, Störungen des Sozialverhaltens, Missbrauch von Drogen, Medikamenten oder Alkohol
  • Je jünger das Kind ist, desto mehr steht die therapeutische Arbeit mit den Eltern im Vordergrund.
  • Das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Antidepressiva wird als kontrovers beurteilt.


Angst

  • Kinderängste sind kein Kinderkram
  • Angststörungen beginnen im frühen Kindesalter
  • Angststörungen des Kindesalter bedeutender Risikofaktor für psychische Störungen im Erwachsenenalter
  • Vorbeugung und Behandlung sind möglich
  • Gut überprüfte Behandlungsprogramme liegen vor, werden aber kaum in der Praxis angewandt


Binge Eating & Adipositas

  • Adipositas im Kindes- und Jugendalter stellt ein Störungsbild dar, das weltweit zunehmend häufiger auftritt
  • aktuelle Befunde geben Hinweise, dass bereits im Kindesalter regelmäßige Essanfälle im Sinne einer BED auftreten können
  • Ätiologie Adipositas: multifaktoriell (Genetik, Lifestyle, psychische Belastungen, Lernerfahrungen)
  • Ätiologie BED: multifaktoriell (Vulnerabilität für psychische Störung, unphysiologisches Essverhaltens, psychische Belastungen)
  • Therapie: Einbezug der Familie, multiprofessionell, langfristig, VT Techniken


Borderline Persönlichkeitsstörung

  • Die BPS ist gekennzeichnet durch erheblich Schwierigkeiten mit der Emotions- und Affektregulation und daraus resultierenden dysfunktionale Verhaltensmustern (insbesondere im Zwischenmenschlichen Bereich)
  • Die Entstehungsbedingungen sind multifaktorell, wobei frühe Traumatisierungen einen besonderen Risikofaktor darstellen.
  • Selbstverletzendes Verhalten ist eine häufige Begleiterscheinung der BPS
  • Der Umgang mit BPS gehört in die Hände spezialisierter Therapeuten


Störungen der Ausscheidung

  • Starke Belastung der Kinder und ihrer Eltern durch das Einnässen und Einkoten.
  • Ursachen meist sowohl genetisch als auch umweltbedingt
  • Häufig komorbide Störungen
  • Therapie: Psychoedukation und Verhaltenstherapie (zum Teil aparativ unterstützt), selten Medikation
  • Hohe Remissionsraten mit zunehmendem Alter