Entwicklungspsychologie:Soziale Veränderungen im Jugendalter

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Soziale Veränderungen im Jugendalter

Proseminararbeit für PS Entwicklungspsychologie

 

Der Übergang zwischen der Kindheit und der Adoleszenz erfolgt gemeinsam mit den biologischen und kognitiven Veränderungen. In unserer modernen Zeit dauert sie über mehrere Jahre hinweg, doch wann genau dieser Zeitpunkt eintritt und wie reibungslos sie geschieht, wird durch die jeweilige Gesellschaft bestimmt. Oft sind die Peers diejenigen, die jene sozialen Veränderungen einleiten.

z.B.:     Kinaaldá, so wird die Zeremonie der Navaho genannt. Sie ist ausschließlich für Mädchen, welche die erste Menstruation hinter sich haben. Ihnen wird eine Mentorin zur Seite gestellt, die ihnen hilft bestimmte körperliche Leistungen zu erbringen und so den Status einer Frau einzunehmen. (Markstrom & Iborra, 2003, zitiert nach Sternberg, 2008)

Charakteristische Merkmale der Adoleszenz, die interkulturell anzutreffen sind:

  1. Die Trennung von den Eltern
  2. Die Unterscheidung beider Geschlechter
  3. Die Übernahme von Instruktionen und Informationen von der älteren Generation.

Adoleszenz in der heutigen Gesellschaft und Einfluss der Nachbarschaft

Die Gesellschaft bietet wenig Unterstützung für gefährdete Jugendliche, aber viel für die gut situierte Jugend (Wald, 2005, zitiert nach Steinberg, 2008).
Zwei Trends:
            1) Übergangsperiode verlängert sich
            2) Ungleicher Zugang zu Geld, Ausbildung und Informationstechnologie

Problemfaktoren:

Armut: schulischer Misserfolg, Arbeitslosigkeit, außereheliche Schwangerschaft (sehr konservativ?)
   (Guldi, Page & Stevens, 2007; National Research Council, 1993; Schoon et al., 2002, zitiert
   nach Steinberg, 2008)
            → Mentoring-Programme

Einfluss der Nachbarschaft/Wohngegend

3 Mechanismen (Leventhal & Brooks-Gunn, 2004, zitiert nach Steinberg, 2008):  

    1) Kollektive Wirksamkeit
    2) Einfluss von Stress, Gewalt!
    3) Begrenzter Zugang zu Ressourcen (Mortimer & Larson, 2002, zitiert nach Steinberg, 2008)

Veränderungen im sozialen Status

 

Traditionell

Zeitgemäß

Interpersonal

Anrede mit Titel

Erlaubnis mit Erwachsenen am Tisch zu sitzen

Politisch

Teilnahme an der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung

Wahlrecht

Wirtschaftlich

Eigener Besitz

Arbeitsrecht

Rechtlich

Konsum von bestimmten Lebensmitteln

Jugendrechtssystem gilt nicht mehr

 

Adoleszenz als soziale Erfindung

Inventionisten behaupten, dass die Hauptkomponente der Adoleszenz ein soziales Konstrukt moderner, westlich orientierter Gesellschaften sei. Dies steht im Kontrast zur Ansicht, dass biologische Gegegebenheiten hauptverantwortlich sind. (Fasick, 1994, zitiert nach Steinberg, 2008; Lapsley, Enright & Serlin, 1985, zitiert nach Steinberg, 2008)

 

Entstehung der Adoleszenz

Die psychische Lebensphase "Adoleszenz" entstand im Sinne der Inventionisten in der Industrialisierung. (Fasick, 1994, zitiert nach Steinberg, 2008) Maschinen verursachten Neid um Arbeit und Angst um (eigene) Kinder, was zu Prohibition der Kinderarbeit führte. (Enright, Levy, Harris & Lapsley, 1987, zitiert nach Steinberg, 2008; Modell & Goodman, zitiert nach Steinberg, 2008) Durch die zunehmende Konzentration auf Ausbildung statt Arbeit wurde eine Lebensphase geschaffen, welche neue Begriffe und Stereotypen schuf. Neben dem allgemein verwendeten Wort Adoleszenz bildeten sich "teenager" und "youth" heraus. (Steinberg, 2008)

 

Emerging Adulthood

"Neue" Altersgruppe, beschrieben durch Jeffrey Arnett. Kennzeichen seien  "Vorzug von Ausprobieren gegenüber einschränkenden Entscheidungen", "Fokus auf eigene Identität" und "Gefühlte Abgrenzung von Adoleszenz und Erwachseinsein". (Arnett, 2004, zitiert nach Steinberg, 2008) Die Allgemeingültigkeit ist fragwürdig, da Emerging Adulthood nur in westlichen Kulturen auftritt und selbst dann häufiger bestimmten Lebensumständen entspricht. (Arnett, 2000, zitiert nach Steinberg, 2008)

 Conceptions of the Transition to Adulthood: Perspectives From Adolescence Through Midlife

Der Artikel von J. J. Arnett vergleicht die von 3 Altersgruppen eingeschätzte Wichtigkeit von vorgegebenen Faktoren für das Erwachsenwerden. Die 3 Altersgruppen, trotz teilweise hoher Altersunterschiede, unterscheiden sich in ihren Einschätzungen nicht signifikant. (Arnett, 2001) Kritikwürdig ist, dass im Artikel die Beschränkung der Erhebung auf eine einzige amerikanische Stadt nicht ausreichend hervorgehoben wurde.

 

Aktuelles

22. Oktober 2009, Student_innen besetzen spontan das Audimax, organisieren sich lose über soziale Netzwerke und moderne Medien. Im Hintergrund stehen keine politischen Gruppen, die Bewegung sieht sich als basisdemokratisches Kollektiv.

Vielen der zentralen Themen liegt letztlich der zunehmende Leistungsdruck der Gesellschaft zugrunde.

Karoline Hirr (2002) hat sich in ihrer Diplomarbeit mit den zunehmenden Leistungsansprüchen der Gesellschaft auseinandergesetzt und kam zu folgenden Schlüssen: Ihre jugendlichen Proband_innen leiden unter Verhaltensängsten, Überforderungsmomenten und gaben an sich nur wohl zu fühlen, nachdem sie Leistung erbracht hatten. Sie postuliert auch einen Zusammenhang mit der Zunahme psychosomatischer Erkrankungen.


Literaturverzeichnis

Steinberg, L. (2008). Adolescence. Boston: McGraw-Hill. [Chapter 3]

Arnett, J.J. (2001). Conceptions of the transition to adulthood: Perspectives from adolescence through midlife.

Journal of Adult Development, 8, 133 – 143

Hirr, K. (2002). Individualisierung als zweckoptimierte Subjektivierungsform in kapitalistischen Herrschaftsverhältnissen. Unveröff. Diss., Universität, Wien


Autor_innen

Rumeysa Dür, Bernadette Hold, Marie-Theres Holzner, Martin Tik, Philipp Wiktorin, 11.11.2009