Differentielle Psychologie 1 Skript

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Allgemeines

Aufgaben der Diff-Psych

Grundlagen- und Schnittstellenfunktion häufiges wird allgemein interpretiert weniger häufiges wird different behandelt

Binet (1895)
Art und Ausmaß individueller Unterschiede in psych. Merkmalen Wechselbeziehungen zwischen psychischen Merkmalen

Stern (1900)

Ursachen psychologischer Differenzen Manifestation der Differenzen Berücksichtigt werden Personund Merkmal

4 Hauptfragestellungen der Diff. Psychologie (nach Stern)

  • Variationsforschung - 1 Merkmal an vielen Personen (Zwillingsforschung)
  • Korrelationsforschung - 2 oder mehr Merkmale an vielen Personen (Intelligenzforschung)
  • Psychographie - 1 Person auf mehrere Merkmale untersucht (Pers. Eignungsprofile)
  • Komparationsforschung - 2 oder mehr Pers. hinsichtl. mehrerer Merkmale

unters. (Typisierungsverfahren um Risikogruppe zu finden) z. B. Cross-Cultural-Psychology

Cattel (1957)
fügte das Merkmal Situationsabhängigkeit von Variablen hinzu Es gab nun 6 unterschiedliche Korrelationstechniken Betrachtung von Zusammenhängen:

  1. Person & Merkmal (in einer Situation) Q, R - Technik
  2. Person & Situation (hinsichtlich eines Merkmals) S, T - Technik
  3. Merkmal & Situation (einer Person) O, P - Technik


Traits

  • = Forschungsgegenstand der Diff Psych.
  • = Quantifizierbare psychische Merkmale, die über die Zeit und transsituativ stabil sind
  • Problem: Kommunikation über Traits, haben zu großen Bedeutungshof
  • Bridgman (1927) forderte vom jeweiligen Forscher genaue Beschreibungen von wissenschaftlichen Begriffen und Operationen



  • Operationalisieren von Traits (vom jeweiligen Forscher, nicht generell!)


  1. Beschreibung (in denen es indiv. Unterschiede gibt)
  2. Generalität (Situationsabhängigkeit ? z. B. Ehrlichkeit ist stärker situations-abhängig als "Introversion")
  3. Stabilität (Variation von T. über die Zeit ? je stabiler, desto geeigneter, Persönlichkeit zu beschreiben)
  4. Ursachen (Anlage Umwelt Problematik ? genetisch/Umwelteinflüsse)
  5. Wechselseitige Abhängigkeit (aggressiv ?? durchsetzungsfähig)
  6. Änderbarkeit (Trainierbarkeit ? wie? in welchem Ausmaß)


Beispiel: DG-Unterricht erhöht das räumliche Vorstellungsvermögen (Gittler ? 1994)


Die zwei Forschungsansätze der Diff Psychologie

aus Komparationsforschung --> Typologischer Ansatz
aus Korrelationsforschung --> Eigenschafts- oder Trait Modell

Komparationsforschung --> Typologischer Ansatz

  • Typisierung Personen nach wesentlichen Merkmalen zu gruppieren
  • Früher fehlten Methoden und Kriterien, heute gibt es statistische Typisierungsverfahren (Cluster Analyse, Latent Class Analyse, Konfigurationsfrequenzanalyse) Personen sollen zu Klassen


(= Cluster, Klasse) mit ähnlichen Merkmalen zusammengefasst werden, dass Unterschiede zw. Personen desselben Typus kleiner als zwischen Personen mit unterschiedlichen Typenzugehörigkeiten


  • Historische Beispiele:
    • Hippokrates (400 v. Chr.) gruppierte nach Körpersäften in 4 Temperamente: Sanguiniker (Blut), Phlegmatiker (Schleim) Choleriker (gelbe Galle), Melancholiker (schwarze Galle)
    • Kretschmer (1921) unterteilte nach Konstitution (pyknisch, athletisch, leptosom)
  • Definition:
    • Stern Typus ist vorwaltende Disposition die einer Gruppe von gleichartigen Menschen zukommt
  • Rohracher Typus ist Merkmalkomplex einer Gruppe wobei Einzelmerkmale unterschiedlichen Grades vorhanden sein können.


Korrelationsforschung --> Eigenschafts- oder Trait Modell

ist eher anwendbar als typolog. Ansatz Eysenck (1965)

  • Bezieht sich auf das Hippokratische Modell
  • führte individuelle Messungen durch und ermittelte mit einer Faktorenanalyse die folgenden Faktoren: Introversion / Extraversion & emotionale Stabilität / Labilität, Foto --> Skriptum Seite 10!
  • Kreisdarstellung: - Innerer Kreis (cholerisch, phlegmatisch, melancholisch, sanguinisch) - Äußerer Kreis (labil, stabil, introvertiert, extravertiert)
  • auf jeder Dimension sind prinzipiell beliebig feine Abstufungen möglich
  • Voraussetzung sind quantitative Eigenschaften (Traits, Faktoren)
  • Vorteil: Ökonomie in der Beschreibung


Allgem. Psych. und Diff. Psych. Ein Gegensatz?

Lange Zeit gegensätzlich

  • Allgem Psych: Gesetzmäßigkeiten die alle Individuen gemeinsam und treffen gleichsam auf eine durchschnittliche, abstrakte Person zu = nomothetische Zielsetzung (nomos = Gesetz)
  • Diff Psych: Erfassung individueller Besonderheiten = idiographische Zielsetzung (idios = eigentümlich)

Sander´sches Parallelogramm

Parallelogramm mit zusätzlichen unterschiedlich langen Linien L & R die täuschen

Allgemeinpsych. Aussage: der Täuschungsprozentsatz T % fällt unterschiedlich aus Aufgabe: Phänomen universell erklären (= für alle gleichartig) Individuelle Unterschiede sind Messfehler (Error)

Differentialpsych. Aussage:
der T% fällt bei Weißen höher aus als bei Schwarzen Inhalt: Aussagen über Ursachen und Entstehungsbedingungen der individ. Schwankungen bei Personen (gruppen)

Allgem. Psych. und Diff. Psych ergänzen sich und entdecken erst zusammen relevante Abweichungen von allgemeinpsychologischen Aussagen.

Differentielle Psychologie befasst sich:

= empirische Wissenschaft mit den Ursprüngen, der Beschaffenheit und der Beeinflussbarkeit von verhaltensrelevanten psychischen Unterschieden zw. Individuen und Gruppen.

= Unterschiede zw. Personen zu einem Zeitpunkt (Querschnittbetrachtung) + Unterschiede innerhalb einer Person zu mehreren Zeitpunkten (Längsschnittbetrachtung)

Gegenstand der Diff. Psychologie

= wissenschaftl. Erforschung systemat. Variationen im Erleben und Verhalten einer Person (intraindividuelle Unterschiede) und zw. Personen bzw. Personengruppen (interindividuelle Unterschiede).

Historische Grundlagen

Anfänge der Testung

  • 2200 v. Chr.: In China Fitnesstest der Regierungsmitarbeiter
  • 1115 v. Chr.: Kandidaten für Staatsämter nach 6 Basiskünsten getestet (Musik, Bogenschießen, Reiten, Schreiben, Rechnen, Wissen über Riten des öffentlichen und privaten Lebens)
  • 14. Jhdt.: Endgültige Form, letzte Testung 1905


  1. 3 Prüfungen im Jahresabstand in der Distrikthauptstadt

24 Stunden in isolierter Einzelzelle 1 Gedicht und 2 Essays Beurteilung nach kalligraphischer Ausführung, Qualität von Inhalt und Diktion; Durchfallsquote 93 - 97 %


  1. 3 x 3 Tage Prüfung in Provinzhauptstadt


Prosa und Verse schreiben, Lesen, Wissen und Bildung Von 2 unabhängigen Beurteilern ausgewertet und von drittem beurteilt Durchfallsquote 90 - 99%


  1. Prüfung in nächstem Frühjahr in Peking


3% wurden Mandarin und befähigte für Staatsämter


  • Grundannahme war, dass sich Menschen nach bestimmten Traits unterscheiden, welche stabil sind und generalisiert werden können


Biologische Wurzeln

Darwin (1809 - 1882)
Buch: "On the origin of species by the means of natural selection"

  • Darwin widersprach der Theorie von Aristoteles ; Unveränderlichkeit der Arten; (Die wesentlichen Merkmale eines Indiv. sind Artenmerkmale und Abweichungen sind zufällig)
  • Evolutionstheorie und die Entwicklung der Arten durch Selektion im Überlebenskampf (Überleben der Bestangepassten)
  • Individuelle Differenzen einer Art sind notwendige Voraussetzung für Selektiion und Evolution)
  • Merz (1984) dazu: Variationsvielfalt im Phänotyp sind Voraussetzung einer Art sich an ändernde Lebensbedingungen leichter anzupassen, da einige bereits über die nötigen Eigenschaftsausstattungen verfügen. Je ähnlicher (homogener) sich Individuen in körperlichen und Verhaltensmerkmalen sind, desto gefährdeter ist die Art.


Mendel (1822 - 1881)

  • Kreuzungsversuche mit Pflanzen ? überwand damit die Vorstellung von einer gottgewollten Entwicklung
  • Eigenart des Individuums hängt von der zufälligen Kombination von Erbanlagen ab
  • Mendels Gesetze werden erst um die Jhdt-Wende von Correl, Tschermak und de Vries wiederentdeckt
  • Folge: intensive Erforschung der Erblichkeit von körperl. und psycholog. Merkmalen



Galton (Vetter Darwins)  1822 - 1911

  • einer der brilliantesten Wissenschaftler des 19. Jhdt.
  • Begründer der wissenschaftlichen Untersuchung von indiv. Differenzen (Individ. des Fingerabdruckes)
  • Zwillingsmethode (Ansatz um Erb und Umweltfaktoren zu entflechten)
  • Stammbaummethode (Ballung spez. Merkmale in Familien) ? Buch: ?Hereditary Genius?
  • Index of Correlation (von Pearson zum Korrelationskoeffizienten entwickelt)
  • Führte den Begriff Test ein und testete als erster Intelligenz (in anthropomor. Laboratorium)
  • Begabungsunterschiede können nur durch objektive Testungen an vielen Personen ermittelt werden
  • Wesentliche Intelligenzgrundlage sei die Verarbeitung von Wahrnehmungsreizen  (Testmaße daher Seh- und Hörschärfe, Reaktionszeiten etc.)
  • Sinneseindrücke in der Entw. liefern Grundlagen für Denken und Urteilen
  • Cattel führte seine Intelligenzmessung weiter, allerdings in Sackgasse da r fehlte (Korrelationen der Tests untereinander sowie externer Kriterien)
  • Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane nicht unmittelbar geeignet um Intelligenz zu messen
  • Spearman führte Untersuchungen fort und entwickelte die "2 Faktoren Theorie"


William Stern (1871) Begründer der Diff. Psychologie geb. 1871 gest. 1938

  • Über die Psychologie der individuellen Differenzen (Ideen zu einer differentiellen Psychologie? Stern, 1900) wegweisende Monographie
  • Neuer Ansatz von Stern: diffpsy Forschung systematisch entwickeln, mittels Experimenten allgemeinpsycholog. Gesetzmäßigkeiten studieren
  • "'Die Differentielle Psychologie in ihren methodischen Grundlagen" (Stern, 1911)er legte damit die Grundlage für die Diffpsy
  • Setzte sich nomothetischen und ideographischen Betrachtung seelischer Vorgänge auseinander
  • Schrieb Werke über: Intelligenzdiagnostik, Kinder-, Entwicklungs-, Pädagogisch, Arbeits-, Forensische und Allgemeine Psychologie
  • 1933 Entlassungaus dem Professorenstand - Emigration in die USA; Duke University
  • seiner Zeit weit voraus:


Gegenüberstellung von INTERindividuellen variierenden psych. Eigenschaften (= Traits) und INTRAindividuellen Zustandsmerkmalen (= States).


  • Wichtig: methodisch- statistische Fundierung der Forschung
  • erkannte Bedeutung von Längsschnittstudien für die diff. psycholog. Prozeßforschung
  • Hauptziele der Psych lt Stern:


Psychognostik (Menschenkenntnis --> heute: psychologische Diagnostik) Psychotechnik (Menschenbehandlung --> heute: psychologische Intervention) z. B. Fragen der Arbeitsplatzgestaltung


Entwicklung individueller Testskalen

Binet (1857- 1911)

  • Einführung individueller Skalen
  • Untersuchte Begabungsunterschiede von Kindern
  • Erkannte geringe Zuverlässigkeit von ärztlichen Diagnosen
  • Erste kognitiv orientierte Intelligenzskala (gemeinsam mit Simon 1905)
  • Intelligenzbegriff: "Art der Bewältigung einer aktuellen Situation. gut urteilen, gut verstehen, gut denken"
  • Testskala wurde geeicht an 50 gesunden und 30 minderbegabten Kindern
  • neu war: Aufgaben systematisch ausgewählt nach aufsteigender Schwierigkeit (bez. Alter und Lehrerurteil) --> es zeigte sich bald: Alter ist das wichtigere Kriterium!
  • Iteminhalte: Gedächtnis, Vorstellungskraft, Aufmerksamkeit, Verständnis, Willenstärke, motorische Fertigkeiten, moralische Haltungen
  • Konstruktion alterssensitiver Aufgaben:


Für ein bestimmtes Lebensalter geeignet ist ein Item, wenn 50 ? 75% genau dieser Altersstufe die Aufgabe lösen können dann passt sie


  • 5 Items pro Stufe für die Altersstufen 3-15 Jahre
  • Intelligenzalter bestimmen: alle Aufgaben eines Alters gelöst --> Grundalter


- jede zusätzliche Itemlösung bringt einen Zuwachs von 1/5 eines Jahres z. B. Intelligenzalter = 7,5 + 7/5 = 8,9 Jahre = 107 Monate

Ermittlung der Differenz zwischen Intelligenzalter minus Lebensalter --> Intelligenzalter - Lebensalter (IA - LA) = inwieweit entspricht das Kind dem Entwicklungsstand der Altersgruppe


  • Kritik:
    • Eichung - Oberschichtkinder waren intelligenter
    • Zu verbal - kulturabhängig
    • Nicht objektiv (Testleiterbewertungen fließen ein)
    • Keine trennscharfen Aufgaben für ältere Kinder, weil Intelligenzentwicklung den Verlauf einer Wachstumskurve zeigt
    • Gleiche Differenzen zwischen IA & LA bedeutet verschiedenes (z.B.: Rückstand von 2 IA-Einheiten kann bei 10-jährigem unauffällig, bei 4-jährigem jedoch hochgradiger Entwicklungsrückstand).
  • Um Verzerrung zu vermeiden schlug Stern den IQ = (IA / LA) * 100 vor


Sollte die Konstanz der Interpretierbarkeitgewährleisten, was aber nur bei linearer Leistungszunahme mit dem Alter legitim wäre Tatsache: negativ beschleunigter Entwicklungsverlauf


  • IQ, oder Binet Test wurde sehr rasch populär ; Stanford Binet Test; Stanford Intelligenztest


Bisher erwähnte Verfahren waren nur Individual-Tests ? nur eine Person wurde auf einmal untersucht! 1. Weltkrieg - USA - viele hunderttausend Rekruten testen - versch. Waffengattungen zuordnen!

Screening Test (zur Grobklassifizierung) oder Gruppentests
ab dem ersten Weltkrieg Army Alpha Test; Army Beta Test (sprachfrei)

Vorteil: für Analphabeten und nicht Englisch sprechende VPn - simultan an große Zahl von Probanden -

ökonomisch in Herstellung und Auswertung. Erst diese Auswertungen ermöglichten emp.-differentialpsychologische Forschung.


Methodische Grundlagen

Experiment: Studium von Phänomenen (abhängige Variable AV ? z. B. Konzentrationsleistungen) unter kontrollierten Bedingungen, wobei die Untersuchungseinheiten (meist VPn) den unabhängigen Variablen (UV = Versuchsbedingungen) randomisiert (= zufällig)zugewiesen werden. Dadurch wird eine kausale Ergebnisinterpretation möglich (Randomisierung ist dabei entscheidend).
Quasi Experiment Studium von Phänomenen unter kontrollierten Bedingungen, wobei die Untersuchungseinheiten nicht randomisiert zugewiesen werden, sondern die UV eine Auswahl aus vorgegebenen Gruppenzugehörigkeiten (z. B. Patientengruppen mit unterschiedl. Diagnose) darstellen. Es ist keine Kausalinterpretation möglich.
VG & KG einer oder mehreren behandelten VG wird eine unbehandelte KG gegenübergestellt. Blindversuch:(z. B. Placeboeffekt ? VPn wissen oft nicht, welcher Gruppe sie randomisiert zugewiesen wurden) Doppelblindversuch: zusätzlich weiß der Versuchsleiter nicht, welcher Gruppe die untersuchten Personen angehören (Versuchsleitereffekt)
Variable Merkmal, das in mindestens 2 Abstufungen vorkommen kann (z. B. Geschlecht, Alter, IQ)
Population & Stichprobe Population (= Grundgesamtheit) ist die Summe aller potentiell untersuchbaren Einheiten, die ein gemeinsames Merkmal aufweisen. Die Stichprobe n wird zur wissenschaftlichen Studie aus der Grundgesamtheit gezogen. Die Ergebnisse hängen ab von der Auswahl, der Zusammensetzung und der Größe der Stichprobe. Unter bestimmten Voraussetzungen können die Ergebnisse auf die Population generalisiert werden.
Deskriptivstatistik Stichprobenbeschreibung mit Graphiken und Tabellen und Berechnung stat. Kennzahlen (z. B. Mittelwert, Streuungsmaße)
Inferenzstatistik (schließende Statistik) Prüfung von Hypothesen. Schluß von Stichprobe auf Population. Voraussetzungen sind wichtig, damit Ergebnisse generalisiert werden können.
Normalverteilung Merkmale sind in Form einer Glockenkurve verteilt. Viele Werte liegen in der Nähe des Mittelwertes, aber nur wenige am Rand. Eine NV ist eingipfelig und symmetrisch. Berechnung von Mittelwert und Varianz nur sinnvoll, wenn Messwerte normalverteilt.
Varianz Maß für die Verschiedenheit von Messwerten eines Merkmals in einer Stichprobe s² ist umso größer, je mehr die Messwerte vom gemeinsamen Mittelwert abweichen, also je unterschiedlicher die Messwerte sind. s² = mittleres Abweichungsquadrat
Korrelationskoeffizient Maß für die Stärke des linearen Zusammenhangs zwischen zwei Variablen


Interpretation von KorrelationenEine hohe Korr. darf nicht kausal interpretiert werden (auch wenn sie stat. signifikant ist), da die Korrelation keine Infos liefert welche der 4 Kausalinterpretationen zutrifft:
X beeinflusst Y kausal, Y beeinflusst X kausal, X & Y werden von dritten Variable beeinflusst, X & Y beeinflussen sich wechselseitig Beispiel: Ehrlichkeit ? Religiosität (Skriptum ? Seite 22)
Korrelation ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für kausale Abhängigkeiten. Korr. dürfen nur als Koinzidenzeninterpretiert werden - liefern nur Hinweise für kausale Beziehungen. Korrelationen = Stichprobenabhängig - ist wichtig da es sonst zu Verzerrungen kommt. Stichwort: Homogenisierung ? Heterogenisierung (Skriptum Seite 22).

Grundlagen der einfachen und multiplen linearen Regression



Lineare Regression: Merkmals-Vorhersage aus 2 Variablen mit hoher r Aus der Prädiktorvariable X ? Kriteriumsvariable Y vorhersagen Dazu rechnerisch dir Regressionsgerade durch den Punktschwarm lege, daß die Summe der quadrierten Vorhersagefehler möglichst klein wird Achtung! ?je höher das r desto besser die Vorhersage r = 0: Vorhersageversuche erübrigen sich mangels Zusammenhang
Multiple Regression: Wenn mehrere Prädiktoren verwendet werden (z. B. mehrere Intelligenzmaße) Eichstichprobe werden Prädiktoren optimal gewichtet ( ß-Gewichte), damit Y mit Ý übereinstimmt. Größe der ?-Gewichte von allen Einzelkorrelationen abhängig (= bivariate Korrelationen). Die bivariaten Korrelationen sind stichprobenabhängig ? dh. stichprobenbedingte Zufälligkeiten beeinflussen auch die Größen der ?-Gewichte. Wichtig ist vorher die ?-Gewichte mittels Kreuzvalidierungzu überprüfen. Je höher die Korrelationen r(Y,ý) in B, desto stabiler das Gewichtungssystem. Das ist nötig wenn aus vielen Prädiktoren jener ausgewählt wird, der mit dem Kriterium am höchsten korreliert, oder mehrere Prädiktoren unterschiedlich gewichtet sind.

Regressionseffekt


erstmals von Galton 1886 beschrieben siehe Skriptum Seite 25 ? Gedankenexperiment ? Weitspringer Regressionseffekt beobachtete Galton bei der Vererbung von Intelligenz.
Regression zur Mitte wird bewirkt durch:

  • mangelnde Zuverlässigkeit der Messinstrumente
  • höhere Wahrscheinlichkeit mittelmäßiger Rahmenbedingungen im Vergleich zu

besonders guten oder schlechten

  • Bei wiederholter Erfassung regredieren extreme Messwerte zur größten Dichte der Merkmalsverteilung (bei NV zum Mittelwert)
  • Die Streuung des Merkmals wird nicht kleiner sondern es findet ein Austausch zwischen extremen und mittleren Positionen statt (eine Messwertänderung in

Richtung Extremposition kann mehrere Änderungen zur Mitte aufwiegen)
Konsequenzen des Regressionseffets: Fragestellung: Wie wirkt ein Programm zur kognitiven Frühförderung bei Oberschichtkindern (OK) bzw. bei Unterschichtkindern (UK)? Hilft es beiden Gruppen in gleicher Weise? Untersuchungsdesign: Pretest (Vortest) ? Fördermaßnahme ? Posttest Messung: zweimalige Durchführung eines Tests
Bsp. 1 richtige Schlussfolgerung:

  • 2 Zufallstichproben von OK und UK
  • Vortest zeigt, dass OK intelligenter sind als UK
  • Nun wird ein Förderprogramm durchgeführt
  • Posttest zeigt, dass sich nichts signifikant geändert hat an den Mittelwerten
  • d.h. Förderprogramm hat keine Wirkung ? Interpretation = korrekt


repräsentative Stichproben wurden gezogen

  • Extremwerte tendierten zur Mitte und umgekehrt, deshalb blieb die Verteilung unverändert




Bsp. 2 Falsche Schlussfolgerung:



  • OK & UK anhand von Vortestergebnissen parallelisiert, sodaß Mittelwerte von OK und UK annähernd gleich
  • Selegierte Stichproben: aus OK überwiegend unterdurchschnittliche Kinder und aus UK überwiegend überdurchschnittliche Kinder
  • Wieder ist das Förderprogramm wirkungslos, doch die Posttestwerte sind unterschiedlich
  • Beide Stichproben regredierten zum Mittelwert ihrer Referenzpopulation
  • Durchschnittsleistung der OK nimmt zu, die der UK ab
  • Interpretation, daß Förderung wirkt, ist falsch, da Regressionseffekt





Faktorenanalyse als Skalenkonstruktionsmethode


  • dient zur Informationsverdichtung (Datenreduktion)
  • Es werden die einem Variablensatz zugrundeliegenden Dimensionen ermittelt (= Faktoren, Eigenschaften)


Bsp.: 3 Thermometer, (Kelvin, Fahrenheit, Celsius) & 1 Barometer



  • Korr. zwischen Thermometern ist = +1 doch mit dem Barometer = 0
  • Nach der Faktorenanalyse wissen wir dass 2 Faktoren zugrunde liegen
  • Nun werden die Daten interpretiert (in diesem Fall Temperatur und Luftdruck




Bei psych. Daten ist es schwerer, sie muss sich an den Inhalten der pro Faktor höchst ladenden Variablen orientieren: Achtung: Es können nur Eigenschaften extrahiert werden, die in den zugrundeliegenden Variablen enthalten sind.

  • Untersuchungsgegenstand sind Interkorrelationsmatrizen welche auf Punkt Moment Korrelationen basieren. Wichtig dabei sind
    • Intervallskalierte Variablen deren
    • Lineare Abhängigkeit untersucht wird


  • Extrahiert werden immer weniger Varianz aufklärende latente Faktoren bis zu einem Abbruchskriterium; welche sind:
    • Eigenwertkriterium: Abbruch wenn Eigenwert ? des Faktors ? 1

Begründung: Faktor soll nicht weniger Varianz aufklären als eine der untersuchten, z-standardisierten Variablen)



  • Scree-Test: geht auf Cattell zurück und stellt Plot von Eigenwerten dar. Gesucht wird der Faktor, vom letzten extrahierten beginnend, dessen Eigenwert besonders steil ansteigt ? also der Zugewinn an erklärter Varianz besonders hoch ist.





Ladung: ist das Ausmaß des Zusammenhangs der untersuchten Variablen mit diesen latenten Faktoren (zwischen ?1 und +1) Die Güte der Lösungen ergibt sich durch die Faktoren aufgeklärte Varianz welche sich ergibt aus:



  • Eigenwerten ? der einzelnen Faktoren
  • Kommunalitäten h2





Rotationsarten der Faktorenanalyse

Die gefundenen Faktoren werden schließlich unterschiedlich rotiert (um die untersuchten Variablen inhaltlich sinnvoll zusammenfassen zu können).
Orthogonale Rotation (rechtwinkelig) zur Gewinnung voneinander statistisch unabhängiger Faktoren mit wenig hohen und vielen Null-Ladungen (z.B. 7 Primärfaktoren von Thurstone)

Oblique Rotation (schiefwinkelig) zur Gewinnung voneinander statistisch abhängiger aber inhaltlich besonders sinnvoller Faktoren (z.B. 16 Persönlichkeitsfaktoren von Cattell). Solche Faktoren sind voneinander abhängig und können mehrmals faktorisiert werden, das Ergebnis = Modelle deren Faktoren ein hierarchisches Verhältnis haben. (z.B. Intelligenztheorie von Horn & Cattell)

Modellgleichung der multiplen FA siehe Skriptum Seite 30/31

Durchführungsarten der Faktorenanalyse

Ergebnis der FA = eine Faktorenstruktur, die anhand der Variablen mit der jeweils höchsten Ladung (Markervariable) pro Faktor interpretiert wird.
Exploratorisch latente Faktorenstruktur einer Menge zusammenhängender Variablen erkunden. Bezüglich der Ladungshöhe einzelner Variablen auf Faktoren besteht keine Erwartung ?deskriptivstatistisch
Konfirmatorisch FA hat das Ziel a priori angenommene Strukturen auf ihre Verträglichkeit mit empirischen Beobachtungen zu überprüfen ?inferenzstatistisch (= hypothesen- geleitet). Aussage: hypothetische Faktorenstruktur ist mit emp. Beobachtungen verträglich - ist jedoch nicht die einzig denkbare Struktur

Nachteile der Faktorenanalyse


Stichprobenabhängigkeit homogene Stichproben: viele Faktoren mit geringer Ladung heterogene Stichproben: wenige Faktoren mit hoher Ladung
Abbruchskriterium für Faktorenextraktion ist beliebig
Rotationsart ist beliebig aber führt zu unterschiedlichen Ergebnissen
Interpretationsuneindeutigkeit von Interpretierendem abhängig
Additiv kompensatorisches Modell Messwerte können sich aus der Summe unterschiedlicher Faktorausstattung. schlechte Ausprägung in einem Faktor ? wettgemacht durch gute Ausprägungen in einem anderen Faktor

Das Rasch Modell als Skalierungsmethode


Formel ? siehe Skriptum Seite 32
Wenn das Modell für ein Itemset gilt ?Eindimensionalität (Homogenität der Aufgaben):

Rasch Homogenität


  • Misst dieselbe Fähigkeitsdimension für alle VPn egal ob jung/alt, weiblich/männlich, begabt/unbegabt ? Eindimensionalität!
  • Rohwert (= Anzahl der gelösten Testaufgaben) ist faires Maß

alle relevanten Infos zur Schätzung der Fähigkeitsparameter sind beinhaltet. Egal welche Fragen korrekt oder falsch beantwortet ist.

  • Intervallskala ?zumindest auf ihr werden die Fähigkeitsgrade quantifiziert

(Rohwerte haben nur Rangskalenniveau)

  • Der Zusammenhang zwischen Rohwerten und latenter Fähigkeitsdimension ist empirisch begründet sein.



Anwendungen des Rasch Modells


1) Item-Bias

  • fungieren Testleistungen in Leistungstests als Zulassungskriterium (z. B. für Ausbildung etc.) - sind ein gesellschaftliches relevantes Problem.
  • Früher galt ein Test schon als unfair wenn bestimmte Gruppen systematisch schlechter abschnitten
  • Tests sind aber nur dann unfair, wenn die Verteilung der Traitvariable (= Fähigkeitsparameter

der Person) in den verglichenen Teilpopulationen übereinstimmt, was aber vielfach nicht zu erwarten ist.

  • Man muß unterscheiden, ob der Test eine spezifische Gruppe wirklich benachteiligt, oder ob nur die Traitvariablen, unterschiedlich verteilt sind ? ohne dass Test als Messinstrument am

Leistungsunterschied Schuld hat.

  • Definition: Ein Item ist als verzerrt oder unfair anzusehen wenn seine IC Kurve in 2 unabhängig von diesem Item definierten Gruppen verschieden ist (ein Test wird unfair sein, wenn zumindest

ein Item biased ist).

  • Nach Rasch ist ein Test culture fair, wenn alle Items in den untersuchten Kulturen gemeinsam Rasch-homogen sind.

Bsp. Kulturvergleich Österreich Singapur (Tanzer, Gittler & Sim, 1994)


2) Computerisiertes Adaptives Testen (CAT)

  • Fähigkeitsangepasstes Testen
  • Aufgaben werden so vorgegeben, daß sie genau auf diesen zugeschnitten zu sein scheinen

(auf Basis des aktuellen Kenntnisstandes über das Fähigkeitsniveau des Pb)

  • Durch Item Response Theory gibt es

große Vorteile(vergl. zu fixe Items in fixer Vorgabenreihenfolge):



  • Hohe Messgenauigkeit bei wenigen vorgegebenen Items -> kürzere Testdauer
  • Alle Fähigkeiten werden gleich genau gemessen durch ausgewogenen Itempool
  • Testsicherheit; dh. Unwirksamkeit von Testknackermethoden




Nachteile:



  • Konstruktionsprozess ist aufwendig und benötigt sehr viele zu konstruierende Items
  • Höhere psychometrische Qualität der Items
  • Verwendung von Computern ist notwendig




3) Qualitätskontrolle
Messen 3DW und WMT dasselbe Konstrukt? Ist der eine Test durch den anderen ersetzbar?
Antwort nach klassischem Konzept: r ist 0,40 - 0,50 somit messen sie ähnliche Fähigkeiten Bei beiden ist ein g-Faktor denkbar Beide Tests benötigen Ausdauer und Konzentration keine eindeutige Antwort möglich
Modernes Konzept nach dem Rasch Modell: Sind 3 DW Und WMT gemeinsam rasch-homogen? NEIN! die Tests messen jeweils etwas spezifisches Raumvorstellung und Reasoning sind separierbare Fähigkeitsdimensionen positive Aussagen zum Nutzen und zur Konstruktvalidität der Tests ableitbar


Intelligenztheorien

Fähigkeit ? Leistung und das Kompetenz-Performanz-Problem
Fähigkeiten = Persönlichkeitseigenschaften, die Leistungen ermöglichen Leistungen = Ergebnisse von Handlungen, bewertbar nach gut/schlecht.

  • Erzielte Leistungen in einer Aufgabe hängen ab von Fähigkeit und Anstrengung
  • Fähigkeitsunterschiede = Leistungsunterschiede -> gilt nur wenn sich alle Vp. gleich anstrengen


  • Kompetenz-Performanz-Problem:

Die realisierte Leistung (= Performanz) in einer Aufgabe ist nur bei gleicher Motivationsstärke ein geeignetes Maß für Kompetenz (= Fähigkeit).

  • Lösung des Problems:
    • Maximale Anstrengung der Vp. - durch Gestaltung der Testsituation
      • Über- und Unterforderung vermeiden
      • Belohnung für gute Leistung
      • Instruktionen geben
    1. Mehrere Testwiederholungen ? Maximalleistung ist beste Schätzung der Fähigk.


Am meisten werden in Psychologie intellektuelle Fähigkeiten untersucht ? deutlich weniger häufig ? soziale Fähigkeiten.

Intelligenz ? Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Es gibt sehr viele Ansichten darüber was Intelligenz ist, doch hier ein paar Abgrenzungen:

  • Begabung

frühkindl. vorhandene Voraussetzung für den späteren Erwerb von Fähigkeiten

  • Klugheit

zusätzlich zur Intelligenz reflexive Umsicht, Lebenserfahrung und Menschenkenntnis

  • Weisheit

Expertenwissen über grundlegende Lebensfragen
sehr viele unterschiedl. Ansichten darüber, was unter Intelligenz zu verstehen ist!

Gliederungsmöglichkeiten von Intelligenztheorien nach Sternberg 1990

  • Expliziter / Impliziter Zugang

Explizit: Definitionsversuche unternehmen und Theorien entwickeln (?erfunden?) und verworfen werden Implizit: ?entdecken?, welche Verhaltensweisen bestimmte Personengruppen mit Intelligenz in Zusammenhang bringen

  • Unterscheidung nach korrelativen oder experimentellen Ansätzen

korrelativ: differentialpsychologisch orientiert experimentell: allgemeinpsychologisch orientiert

  • Nach Entwicklungsgesichtspunkten zur Eingliederung aktueller wie historischer Ansätze


Implizite Intelligenzdefinitionen: Aus der Sicht von Laien nach Sternberg 1981
Laien ist betrachten folgende Verhaltensweisen als idealtypisch für eine intelligent Person:


  • Praktische Problemlösefähigkeit
  • Verbale Fähigkeit
  • Soziale Kompetenz



siehe Skriptum Seite 39

Implizite Intelligenzdefinitionen: Aus der Sicht Psychologen
 ?inter legere? = auswählen durch kritische Betrachtung der relevanten Merkmale ein Ding richtig einordnen

  • Alltagspsychologisch ist I. eine relativ einheitlich Fähigkeit
  • Beschreibung intellektueller Leistungen fällt schwer
  • Diese Unsicherheit und die soziale Erwünschtheit von I. führt zu kritischer Haltung gegenüber I - Konzepten
  • Die Fähigkeiten können nicht klar umrissen werden



Intelligenzdefinition nach Boring (1923)

  •  ?Intelligenz ist das was I Tests messen?; liefert lediglich Kommunikationsbasis


Intelligenzdefinition nach Anastasi (1958)

  •  ?unsere Intelligenztests messen nur Fähigkeiten in unserer Kultur erfolgreich zu sein?
  • Stimmt nicht ganz denn erfolgreicher bedeutet nicht intelligenter
  • IQ sollte auch übertragbar sein auf andere Kulturen mit ähnlichen Voraussetzungen

für sozialen Aufstieg
Intelligenzdefinition nach Wechsler

  •  ?Intelligenz ist die Fähigkeit zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit der Umwelt wirkungsvoll auseinander zusetzen?
  • wenig Erklärungswert ; sinnfreie Tautologie


Intelligenzdefinition nach Stern (1912)

  •  ?Intelligenz ist die allgemeine Fähigkeit des Individuums sein Denken bewusst auf neue Forderungen einzustellen; sie ist die allgemeine geistige Anpassungsfähigkeit an neue Aufgaben u. Bedingungen des Lebens?

Intelligenzdefinition nach Hofstätter (1977)

  • ======?Intelligenz ist die Fähigkeit zur Auffindung von Ordnungen(Redundanz) in der Welt?======

Redundanz = Ordnungsgrad bzw. Regelhaftigkeit

  • in einer chaotischen Welt gäbe es keine Orientierungshilfen
  • kluges oder törichtes Verhalten lässt sich nicht unterscheiden
  • Aussagen über Ereignisse wären nicht möglich
  • p(Y?X) ? p(Y?nicht-X) ? z. B. wo Rauch (X) ist, findet man zwar nicht immer ein

Feuer (Y), aber doch viel häufiger als dort, wo kein Rauch (nicht-X) ist!

  • Dummheit erster Art bei Aberglaube und Vorurteil wird mehr Ordnung vermutet

richtige Ho wird abgelehnt!

  • Dummheit zweiter Art nicht Erkennen vorhandener Ordnungen nach Hofsätter ist dieser

Punkt Gegenstand der meisten Intelligenztests falsche H0 wird irrtümlich akzeptiert!

  • Fähigkeit zur Auffindung von Ordnung in unserer Innenwelt benötigt I

Rationale Entscheidungen erst dann möglich, wenn wir über die versch. Bereiche unseres Wesens einigermaßen gültige Aussagen machen können

  • Persönlichkeit beeinflusst intelligentes Verhalten ? damit Intelligenz im weiteren Sinn.



Die 3 Bereiche der Intelligenz nach Vernon (1979)

  • Biologische Funktion:
  • Flexible Anpassung an die Umwelt: Lebewesen auf versch. Stufen der phylogenetischen (= stammesgeschichtl.) Entwicklungsreihe befinden - sind unterschiedlich intelligent

Größe ? Komplexität und Leistungsfähigkeit des ZNS steigen mit phylogenet. Entwicklung

  • Stufe zunehmender Flexibilität: Lernfähigkeit - Einsicht - Integration sensorischer Informationen - Generalisation erlernter Prinzipien - Begriffsbindung - Abstraktion
  • zunehmende Flexibilität des intelligenten Verhaltens ? Sicherheit der Verhaltens-

steuerung durch Reflexe und Instinkte geht verloren

  • Reflex: Angeborene, biologisch zweckmäßige, willkürliche Organreaktionen auf innere oder äußere Reize
  • Instinkt: Angeborene, biologisch zweckmäßige Verhaltensweisen als Reaktion auf Reize oder Spontanhandlungen ohne Mitwirkung des Bewusstseins einsetzen


  • Soziale Funktion
  • Intelligenzleistung und Sozialstatus in der Gesellschaft ? positiv korreliert
  • Soziale Aufsteiger sind meist überdurchschnittlich intelligent


  • Psychometrische Intelligenz

ermöglich konkreteste Definitionen ? es existieren zahlreiche konkurrierende faktorenanalyt. Intelligenzmodelle

  • Diagnostische Gültigkeit von Intelligenztests
  • Bestimmung der Art und Anzahl von Intelligenzfaktoren



Zusammenfassung: Intelligenzdefinitionen
Aus historischer Entwicklung verständlich
1.. Sinnesprüfungen von Galton und anderen führten in Sackgasse, da nur minimale Korrelation
2.. Überwindung der Sackgasse durch Binet und ersten Intelligenztest (Sonderbeschulung) Aggregationsprinzip:Messungen werden reliabler durch Mittelung über mehrere Messungen; unterschiedl. Messfehler je Einzelmessung kompensieren sich teilweise gemittelte Messung ? vergl. mit Einzelmessungen ? kleinere Messfehler Messen sollten ausreichend aggregiert sein
3.. Entwicklung des IQ (Stern / Wechsler) die Methodik hat sich kaum mehr verändert Uneinigkeit darin wie intellekt. Fähigkeiten zu messen sind - Als eine oder wenige breite Eigenschaften - oder mehrere Eigenschaften die wenig korr.
Es wird daher unterschiedliche Theorien geben!

Evolution von Intelligenztheorien (Sternberg, 1990)

3 Stufen die zugleich 3 Gruppen von Intelligenztheorien sind
Stufe 1 monistische (I. ist eine Einheit) vs. Pluralistische Theorie (I. ist Produkt völlig unabhängiger Prozesse)
Stufe 2 I setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen Hierarchisch aufeinander oder multifaktoriell nebeneinander (überlappend)
Stufe 3 stellt Integration von 1 & 2 dar I ist globales Konstrukt und aus einzelnen ab- und unabhängigen Komponenten zusammengesetzt



KORRELATIVE INTELLIGENZTHEORIEN

Generalfaktortheorie von Spearman
korrelative, monistische Intelligenztheorie Spearman (1863 ? 1945) Psychologieausbildung bei Wundt in Leipzig arbeitete über Probleme der Wahrnehmung, Denkpsychologie

  • Ziel: mit Korrelationspsychologie das gemeinsame Element aller mental Tests zu ermitteln
  • Testete 1924 24 Schulkinder in 2 Variablen:
    • Sensorische Diskriminatio: Tonhörunterscheidung Optische und haptische Unterschiedsschwellen
    • Intelligenz: Schulleistung, Lehrerurteil, Hausverstand
  1. Korrelation war gering; Spearman vermutete Meßungenauigkeiten
  2. Entwickelte die Verdünnungsformel (errechnet die Maximalgröße der Korr. abzüglich der Messfehler)

Skriptum ? Seite 44


Formel ist heute Basiswissen innerhalb der klass. Testheorie!

  • Anwendungsfehler: er setzte mittlere Interkorr. (zw. Diskriminiationsleistungen und Intelligenzmaßen) statt hoher Reliabilitäten in die Formel ein
  • Schluß: Sensorische Diskr. & Intelligenz messen eine grundlegenden Fähigkeit

? g-Faktor (Generalfaktor der Intelligenz).

  • Zusätzlich entdeckte er dass Tetradenbedingung gilt.


Kann erklärt werden durch das g-Faktor Modell (2Faktoren-Theorie) Jedes Intelligenzmaß beruht auf 2 Faktoren,



  • dem g-Faktor (general intelligence) und
  • dem s-Faktor (spezifisch)




  • Das g-Faktor Modell gilt wenn die Tetradenbedingung erfüllt ist.



Theorie der Intelligenz
Zustandekommen von Kognitiven Inhalten ? zustande kommen von qualitativen und quantitativen Faktoren
Qualitative Faktoren - nicht automatisierbaren Funktionen intelligenten Verhaltens

  • Erstes kognitives Prinzip:
    • Aneignung sinnlicher Erfahrungen ?apprehension of experience?
    • Passive mental states
    • Aktive cognitive acts
    • eine Person weiß nicht nur etwas, sondern sie weiß auch, dass sie es weiß.

sie fühlt nicht nur, sondern weiß auch, dass sie fühlt!



      • Zweites kognitives Prinzip
  • Ableitung und Kenntnis von Beziehungen zwischen den Inhalten der Erfahrungen ?education of relations?
  • Relationen können perzeptiver od. mentaler Natur sein und aufeinander aufbauen
  • z.B. Schlaf und Wachheit schließen einander aus






      • Drittes kognitives Prinzip
  • Gemeinsame Betrachtung von Inhalten und Relationen führt zum automatischen Evozieren von zusammenhängenden Inhalten ?education of correlates?
  • z.B. Gegenteile erkennen



Präsentation des Inhalts ?gut? mit der Relation ?Gegenteil von? ermöglicht die Ableitung des Korrelates ?bose?.

Quantitative Faktoren kognitiver Leistungen

Basisi = physiolog. Vorgänge: Allgemeingesundheit, genet. Ausstattung

  • Ausmaß mentaler Energie ?general energy?

sorgt für konstanten quantitativen mentalen Output

  • Speicherungsfähigkeit ?retentivity?

entw. ?lag? (passives Nachwirken) oder ?disposition? (Assoziation wiederholt gemeinsam auftretender Inhalte)

  • Ermüdung ?fatigue?

mit jeder Tätigkeit einhergehende Gegentendenz

  • Willenskontrolle ?conative control?

Kon b250 zentration beim Auftreten kognitiver Vorgänge

  • Spearman erkannte dass g-Faktor nicht mehr alleine zur Erklärung der Varianzen ausreichte
  • Spezielle Generalfaktoren wiesen die Restkorrelationen nach Extraktion von g aus
  • Um 1930 war klar, dass g-Faktor Theorie unrealistisch ist
  • Auswirkungen bis heute da sehr einfach

Neben Punktewerten für Einzeltests (Intelligenzprofil) wird in nahezu allen I.-Testbatterien der IQ als Gesamtscore (= durchschnittl. Höhe des I.-Niveaus) mit ausgegeben. ein n-dimensionales Gebilde (Intelligenz) wird eindimensional betrachtet ? stark einge- schränkte Aussagekraft!
Multifaktorielle Intelligenztheorien I: Thurstone?s Primärfaktoren

  • Lösen von Denkaufgaben sind mehrere Gruppenfaktoren (primary mental abilities) mit untersch. Gewichtung beteiligt
  • Multiple Faktorenanalyse und das Kriterium der Einfachstruktur
  • Zuerst 9, dann 7 Primärfaktoren die gleichberechtigt aber unterschiedlich breit sind
  • Faktoren sind theoretische Konstrukte die aufgrund der Rotation erheblich interkorrelieren
  • System ist offen für Ergänzungen
  • Bildete die Grundlage für einige Tests: LPS (Leistungs-Prüf-System) , PSB (Prüfsystem für Schul-und Bildungsberatung), IST (Intelligenz-Struktur, Test)


1.. Space(Raumvorstellung)

  • Visualisation (Veranschaulichung)
  • Spatial relations (räuml. Lagebeziehungen)

2.. Number(Rechn. Fertigkeit) 3.. Verbal comprehension(Sprachliche Intelligenz) 4.. Word Fluency(Wortflüssigkeit, rasche Verfügbarkeit von Sprache, Reime, Anagramme) 5.. Memory (behalten paarweise gelernter Assoziationen ? mechan. KZG-Leistung) 6.. Reasoning (logisches Schließen)

  • Deduction (vom Allgemeinen auf das Besondere schließen)
  • Induction (vom Besonderen auf das Allgemeine schließen)
  • Reasoning (logisches Denken ? Anwendung von Deduktion und Induktion

bei konkretem Material) 7.. Perceptual Speed(Wahrnehmungsgeschwindigkeit)

  • Speed of closure (Schnelligkeit des Gestaltschlusses)
  • Flexibility of closure (Umstrukturierung und Wandlung von Gestalt)


Multifaktorielle Intelligenztheorien II: Structure of Intellect Modell Guilford

  • Guilford ging neuen Weg
  • Faktorenanalyse einsetzen zur Hypothesenprüfung eines zuvor geschlossenen Systems,

das Intelligenzleistungen in einem gemeinsamen Bezugsrahmen beschreibt

  • Beteiligt sind kognitive Operationen, Produkte und Inhalte
  • Durch Kombination ergeben sich 120 Intelligenzfaktoren
  • 80% davon sind empirisch bestätigt
  • viele aktuelle Forschungsansätze basieren darauf (z. B. soziale Intelligenz)
  • Kritik: - Unabhängigkeit der 120 Faktoren ist nicht gegeben;

- Faktorenanzahl müsste sich reduzieren lassen

Multifaktorielle Intelligenztheorien III: ?Frames of Mind? Theorie von Gardner
geb. 1943

  • Seine Theorie orientiert sich sehr eng an denen von Thurstone, Guilford und Sternberg


  • Unterschied zu Thurstone und Guilford:
    • Erweiterung auf neue Felder
    • dessen Integrative Natur (Berücksichtigung neuer Wissenschaftsgebiete)
    • Annahme über Autonomie von Intelligenz
    • Offenheit für Erweiterung


  • Unterteilt Intelligenz in Multiple Intelligenzen; gibt Berufsempfehlungen (z.B. Räumliche I. , Logische I. , Musikalische I. ...)

siehe Skriptum Seite 52



  • Linguistisch
  • Räumlich
  • Logisch
  • Musikalisch
  • Kinästhetisch
  • Personale I.
  • Interpersona
  • Intrapersonal




  • Unterscheidbarkeit distinkter Intelligenzen (Distinktion: Verdeutlichung eines Begriffes durch

Angabe von Merkmalen)



  • Neuropsychologischer Nachweis, Aktivität in bestimmten Gehirnregionen Bsp.: Bilder aus dem Gedächtnis nachzeichnen; nach Gehirnoperationen




Kognitionspsychologischer Nachweis ( Analogie zu einem PC; genetisch programmierte in- & outputs) Bsp.:Mentale Rotation



  • Entwicklung



- Phylogenetischer Nachweis(Entw. von I. im Lauf der Evolution) - Ontogenetischer Nachweis (einseitige Hoch und Minderbegabung) Bsp.: Kind ist behindert, kann aber sehr gut Zeichnen



  • Quantitativ-psychologischer Nachweis



- Experimentalpsych.(Nachweis der Eigenständigkeit seiner Intelligenzen) - Psychometrie? Nullkorrelationen zu anderen Bereichen

Beispiel räumliche Intelligenz ? siehe Skriptum Seite 54

Hierarchische Intelligenztheorien I: Modell von Vernon
Hierarchische Ordnung der Faktoren in 4 Ebenen:
1...Unterste Ebene: Spezifische Faktoren ?kennzeichnet den jeweiligen Test 2...Darüber: Untergruppenfaktoren - minor group factors (fluency/writing/verbal c / number / perzeptive Fähigk.) 3...Darüber: Hauptgruppenfaktoren ? major group factors (verbal-edukative / kinätisch-motorische / induktive Fähigk) 4...Darüber: Höchster Allgemeinheitsgrad g-Faktor
Mit dem Aufsteigen in der Hierarchie dominiert ein Faktor immer mehr Untervariablen und die Korrelationen mit der Verhaltensebene werden geringer.
siehe Skriptum ? Seite 56

Hierarchische Intelligenztheorien II: Modell von Cattel
Cattel war Assistent von Spearman

  • Der g-Faktor wird durch Interkorrelation von Sekundär- und Primärfaktoren erschlossen
  • Testergebnisse werden faktorenanalysiert
    • Faktoren 1. Ordnung ? Primärfaktoren (Ausstattung jeder Pers. in den gem. Faktoren)
    • Faktoren 2. Ordnung? Sekundärfaktoren (ergeben sich nach 2. FA)


  • Fluid Intelligence (Gf) ? Fähigkeit sich neuen Problemen od. Situationen anzupassen ? ohne wesentlichen Einfluss früherer Lernerfahrung ? Culture fair ; starker Altersabbau


  • Crystallized Intelligence (Gc)?Fähigkeit, in der sich die kumulierten Effekte früherer Lernprozesse kristallisieren ? sprach- und kulturabhängig, milieubedingt, geringer Altersabb.


Mehrere Primärfaktoren laden sowohl auf gfals auch auf gc?Faktor 3. Ordnung kann extrahiert werden = Spearman´s g.
Resultate aus Studien ? siehe Skriptum Seite 58




Hierarchische Intelligenztheorien III: Erweiterung Cattels Modell durch Horn
geb. 1928

  • Entdeckt zusätzliche Faktoren zu Gf & Gc
    • Gv Visuelle Infoverarbeitung (Visualisieren, mentale Rotation)
    • Ga Auditorische Infoverarbeitung (Wahrnehmung von Tonmustern unter

Ablenkung, Gefühl für Rhythmus)



  • Gs Geschwindigkeit der Infoverarbeitung (speed-Bedingungen)
  • Gq Quantitative Fähigkeit (Anwendung grundleg. mathemat. Konzepte)
  • Gsm Kurzzeitgedächtnis
  • Glm Langzeitgedächtnis
  • CDS Schnelligkeit der Beantwortung nicht trivialer Fragen





  • Wurden mittels konfirmatorischer FA ermittelt (third order factor ? pos. Korrelationen zw.

allen kogn. Leistungen)

Integrative Intelligenztheorien: Berliner I.-strukturmodell (Jäger 1984)
= bimodal und hierarchisch

  • Vorgehen ist Hypothesengeleitet und Methodenkritisch
  • Vereint die Theorien von Spearman, Thurstone & Guilford sowie allgem. Erkenntnisse der

I.-Forschung; sehr gezielt durchgeführte gesonderte Erhebungen

  • Ausgangspunkt: Katalogisieren aller Aufgaben der I- u. Kreativitätsmessung

Reduzierungauf 191 Aufgabenblöcke mit 98 Aufgabentypen

  • Datenerhebung: 545 Vp. / 191 Leistungsvar. / 15 Std. Test an drei Tagen absolviert
  • Ergebnisse: 4 Operationsfaktoren: Bearbeitungsgeschwindigkeit Gedächtnis, Einfallsreichtum, Verarbeitungskapazität

3 Inhaltsfaktoren figural-bildhaft, verbal, numerisch

  • Die Faktoren entsprechen dem Niveau von Sekundärfaktoren
  • Multifaktoriell bedingte Leistungen die je auf einen inhaltsgebundenen und einen operativen Faktor laden (Bimodalität der Operations- und Inhaltsfaktoren).
  • g-Faktor (allgemeine Intelligenz) wird repräsentiert durch 12 mögliche Operations-Inhaltskombinationen


EXPERIMENTELLE INTELLIGENZTHEORIEN

Monistische Ansätze: Biologische Korrelate von Intelligenz

  • Biologisch fundierte Parameter werden einem Gesamtmaß von I. (meist IQ) gegenübergestellt
  • Hat lange Tradition, doch aufgrund fehlender Methoden kam nichts dabei heraus
  • neue Methoden- Untersuchungen der Zusammenhänge von biologischen Parametern und unterschiedl. Intelligenzmaßen

z. B. Zusammenhang von Allgemeinintelligenz und Hirnvolumen, Nervenleitgeschwindigkeit

  • Kopfgröße und Intelligenz:
    • Maß für die Kopfgröße ist der Größte Umfang
    • Mittlere Korr. von 0,191 (36 von 54 Korr. sind signifikant)
    • Zusammenhang ist bei Kindern größer als bei Erwachsenen


  • Hirnvolumen und Intelligenz:
    • Gemessen wird mit CT & MRI
    • Korr. ist 0,381 (13 von 16 Korr. sind signifikant)
    • Keine Geschlechtsunterschiede
    • Keine Altersabhängigkeit
    • neg. Zusammenhang mit Leistungen im Raumvorstellungsfaktor


  • Hirnvolumen steigt als Folge von Erfahrung
    • Höheres Hirnvolumen ? höhere Neuronenzahl ? höhere Synapsenzahl ? höhere kogn. Kapazität

Neuronenzahl alleine kann Zusammenhang zw. Hirnvolumen und IQ nicht erklären



  • Unterschiedliches Ausmaß im Vorhandensein von Myelin




  • ERP (ereigniskorrelierte EEG-Potentiale) & Intelligenz
    • Durch externe sensorische Reizung ? bis 200 ms - vorwiegend von phys. Merkmalen des auslösenden Reizes abhängig - erhielt man keine konklusiven Ergebnisse
    • Endogene Komponente ? ab ca. 300 ms ? sensor. Reizung od. interner

psych. Tätigkeit - wies Zusammenhang auf 0,25 ? 0,41

Zusammenfassung:

  • Intelligentere Personen haben kürzere Entscheidungszeiten, da sie schneller verarbeiten
  • Ob i. Menschen mehr mentale Resourcen benötigen oder mit diesen effizienter umgehen ist noch nicht geklärt





  • Nervenleitgeschwindigkeit & Intelligenz (NCV)
    • Nervenleitgeschw.: Geschwindigkeit, mit der elektr. Impulse entlang

Nervenfasern bzw. über Synapsen geleitet werden



  • Ergebnisse sind unterschiedlich; falls Korr. dann sehr gering (nicht abgesichert)




  • Glukosemenge & Intelligenz (GMR)
    • Glucosemenge: die im Gehirn benötigt wird, um Energieverbrauch auszugleichen
    • Bei dementen Patienten ist der Zusammenhang 0,64
    • bei gesunden Personen: GMR und kogn. Aufwand versch. Aufgaben ? pos. korr.

innerhalb eines Aufgabentyps ? neg. korr.

Hierarchische Intelligenztheorie I: Modell von Sternberg
Triarchische Intelligenztheorie (1985)
Basiert auf experimental- & kognitionspsychologischem bzw. informationsverarbeitendem Ansatz
3 Bereiche intelligenten Verhaltens (Subtheorien bezüglich verschiedener Intelligenzen)
1.. Komponenten der inneren Welt (Komponenten-Subtheorie)



  • Metakomponenten: (übergeordnete Strategiekomponenten)
    • Erkenntnis des Vorliegens eines Problems
    • Auswahl der geeigneten Ausführungskomponenten zur Problemlösung
    • Wahl der mentalen Repräsentationsart des zu lösenden Problems
    • Bereitstellung mentaler Resourcen:



gute Problemlöser verwenden mehr Ressourcen für Problem-Enkodierung als für nachfolgende Informationsverarbeitung Enkodierung: Überführen der Problemstellung in eine indiv. mentale Repräsentation



  • Ausführungskomponenten:
    • Bereichsspezifische Fähigkeiten mit 2 Aufgaben:
      • Instruktionen auf Basis der Metakomponenten ausführen
      • Feedback über Fortschritt der Problemlösung liefern






  • Wissensaneignungskomponenten (Erwerb von Wissen, das benötigt wird):
    • Informationen selektiv encodieren
    • Informationen zu sinnvollen Einheiten kombinieren
    • Einheiten selektiv vergleichen





2. Erfahrungs-Subhtheorie (Bestandteile die zw. Innerer und äußerer Welt vermitteln):



  • Fähigkeit mit relativ Neuem umzugehen, (ist in jungem Alter höher, höherer Resourcenverbrauch)






  • Fähigkeit Informationsverarbeitung zu automatisieren (im hohen Alter großteils bereits automatisiert ? höherer Ressourcenverbrauch zur Aneignung von neuen Inhalten)




3. Kontext-Subtheorie



  • Anpassung an die Umwelt: (Anforderungen sind sehr unterschiedlich Westliche Kultur ? abstraktes Denken; Aborigines ? figurales Gedächtnis)
  • Zeitverwendung ist im Süden weniger wichtig als im Norden
  • Shaping der Umwelt (wenn die Anpassung an die Umwelt nicht gelingt versucht man die Umwelt zu ändern ? z. B. Wissenschaftler führen Paradigmenwechsel herbei ? kreative



Leistung



  • Wechsel der Umwelt, wenn Shaping und Anpassung misslingen (Beispiel: Milgram-Experiment)





Sternberg hat sein Modell modifiziert und legt nun Schwerpunkt auf:

  • Individuell funktionelle Balance (Optimierung im Hinblick auf eigene Stärken und

Schwächen)

  • Drei Intelligenzbereiche (analytisch, kreativ & praktische I.)
  • Erreichung eines soziokulturell definierten Erfolgskriteriums (?success?)



Hierarchische Intelligenztheorie II: PASS-Theorie
J.P. Das, J. A. Naglieri & J. R. Kirby Kognitionspsych. ausgerichtetes hierarchisches Modell mit starker neuropsychologischer Fundierung

  • Sie unterscheiden sich von den anderen Modellen in 3 Punkten:
    • Sie betrachten nicht statische Fähigkeiten sondern dynamische kogn. Prozesse
    • Theoretische neuropsychologische Fundierung
    • Leistungsperformanz hängt ab von der Effizienz kognitiver Prozesse bzw.

neuronalen Informationsverarbeitung

  • 4 Kognitive Prozesse ? Zuordnung zu bestimmten neurobiolog. Hirnarealen



Aufmerksamkeit= Prozeß, in dem kogn. Ressourcen fokussiert werden



  • Daueraufmerksamkeit (monotone Tätigkeit)
  • Selektive Aufmerksamkeit (auf bestimmte Reize gerichtet ? Ausblendung



von ablenkenden Umgebungsreizen)



  • Distributive Aufmerksamkeit (auf Reizgruppe gerichtet ? ebenfalls Ausblendung)
  • Der Hirnstamm ? besonders die Formatio Reticularis - ist für die Aufmerksamkeit verantwortlich (Moderationssystem bei Auftreten eines neuen Reizes ? Erhöhung



der Sensitivität von Rezeptoren ? Aufm. auf neuen Reiz lenken)



  • Aufgabentypen: Expressive Aufmerksamkeit



Rezeptive Aufmerksamkeit



  • Differenz der Reaktionszeiten zw. Leichten und schweren Aufgaben fungiert als Indikator für die benötigte Menge an Aufmerksamkeit




Zwei Arten von Informationsverarbeitung



  • Simultane Kodierung



Relationen zwischen gleichzeitig wahrgenommenen Infos wird genützt, um diese zu kodieren. Resultat: holistische Informationseinheit im KZG gespeichert. Die Reihenfolge der Einzelelemente ist unwichtig z.B. Haustiere sprachl. Tests ? Matrizentests ? Gemeinsamkeiten finden



  • Sukzessive Kodierung: Sammlung sequentieller Informationseinheiten bei denen die Reihenfolge große Rolle spielt. z.B. Tanzschritte



Satzfragen - Zahlennachsprechen
Kogn. Vorgänge sind zumeist das Nebeneinander beider Kodierungsformen (zykl. Hierarchie von simult. und sukzessiven Kodierungsfolgen). Beispiel: Lesen eines Textes (siehe Skriptum ? Seite 72)
Planung



  • Hierarchisch übergeordneter kognitiver Prozess
  • Im Vordergrund steht die Entwicklung einer richtigen und effizienten Strategie



zur Lösung eines Problems (Frontalcortex)



  • Beispiele: visuelle Suchaufgaben; Trail-Marking Aufgaben





NEUERE FORSCHUNGSBEREICHE

erweitern klass. Intelligenztheorien um interessante inhalt. Aspekte

Soziale Intelligenz


Definitionsversuche von Thorndike, Moss & Hunt bzw. Wechsler

Implizite Sichtweise

  • Nach Sternberg ist soziale Kompetenz etwas, was Laien als intelligent bezeichnen
  • Kosmitzki & John (1993) fassten 18 prototypische Eigenschaften zusammen und fanden in Untersuchungen einige Hauptdimensionen heraus:
    • Fähigkeit:
      • Gedanken, Gefühle und Absichten anderer Personen zu verstehen
      • Mit anderen gut umgehen
      • Die Perspektive anderer einnehmen können
      • Offenheit für neue Erfahrungen, Werte und Ideen


  • Schneider (1996) fand durch FA die folgenden statistisch unabhängige Faktoren heraus:
    • Extraversion, Wärme, Soziale Einflussnahme, Soziale Einsichtbildung



Explizite Sichtweise

  • SI Modell (Guilford, 1967)
    • 5 Operationen, 6 Produkte mit verhaltensbezogenem Inhalt ergeben 30 Zellen in seinem Quader

Beispiele:



  • Kognition verhaltensbezogener Einheiten: ? Fähigkeit innere Zustände eines anderen zu erkennen
  • Kognition verhaltensbezogener Systeme: ? F. eine Abf. von Sozialverhaltensweisen zu interpretieren
  • Kognition verhaltensbezogener Implikationen: ? F. vorauszusagen, was in zwischenmenschlichen Bez. Passieren wird




  •  ?Frames of Mind? Theorie von Gardner

Soziale Intelligenz hat die beiden Teilbereiche:?Inter- & Intrapersonale Intelligenz

  • Neuropsychologischer Nachweis:
    • Läsionen im Frontalbereich führen zu selektiven Beeinflussungen der soz. F.

bei intakter Intelligenz (z. B. Down-Syndrom ? schwerwiegende intellekt. Behindungen ? soziale Fähigkeiten unberührt) neuronales Substrat sozialer Intelligenz = Hirnbereiche LZG, Planung von Reaktionen und emot. Ausdruck



  • Läsionen im Parietalbereich führen zu kogn. Fähigkeitseinschränkungen
  • Down Syndrom & Alzheimer berührt soz. F. kaum
  • Pick?sche Erkrankung beeinträchtigt Soz. Intelligenz




  • Quantitativ-psychometrischer Nachweis:
    • Bereits sehr früh gab es Testungen: GWSIT von Hunt (1928)
    • Erfasste Dimension z.B. Urteilsfähigkeit in soz. Situationen ; Gedächtnis für Namen und Gesichter, Sinn für Humor
    • Erhoben durch Einschätzung der Sozialfähigkeit durch Vorgesetzte
    • Nachteil: hohe Korr. zu allgem. Intell.

kein eigenständiger Faktor soz. I. möglich



  • Guilford konnte Faktoren bestätigen durch eigens konstruierte Tests





  • Entwicklungspsychologischer Nachweis
    • Entw. Verzögerungen sind durch IQ unter 70 und Beeinträchtigung des soz. Verh.
    • Kleinkinder unterscheiden sich ebenfalls hinsichtl. sozialer Intelligenz unabhäng.

von intellektuellen Fähigkeiten



  • Erstes Messinstrument: Wineland Social Maturity Scale (1947)






  • Nachteil war Abhängigkeit vom verb. Entwicklungsstand und motorische Entwicklung







  • Taylor (1990) entwickelte das ?social intelligence interview? welches Gedächtnis für soz. Situationen, moralische Entwicklungsstufe oder Reagibilität für soz. Hinweisreize misst





Praktische Intelligenz

  • Erforschung der I. im Alltag hat noch keine lange Tradition
  • Definition erfolgt exkludierend (was ist nicht intelligent)


  • Fredericksen (1986) definierte: ?Praktische I. spiegelt sich in kogn. Akten wider, die sich außerhalb schulischer Settings ergeben?




  • Postkorbübung geht auf ihn zurück welche wirtschaftspsych. eingesetzt wird (effiziente Bearbeitung von vollem Postkorb ? sim. Memos, Telefonanrufe etc.)
  • Wird beurteilt durch Testbeobachter
  • Zu bewertende Aspekte: Pb fragt um Rat; Pb sucht Zusatzinfos.; Pb delegiert Aufgabe;




Ergebnisse: Intelligente Leistungenunterscheiden sich von praktisch-intelligenten Leistungen je nach Eigenschaft des zu bearbeitenden Problems:



  • Traditionelle Intelligenztestaufgaben sind wohl definiert, von anderen formuliert, beinhalten alle Infos und haben eine richtige Antwort
  • Alltagsprobleme sind unvollständig definiert, werden meist selbst definiert, beinhalten nicht alle Informationen und haben meist auch mehrere Antworten





2 Faktoren die praktische Intelligenz erklären(Fredericksen, 1986):



  • Ideenflüssigkeit
  • tactic knowledge (Wissen über den Problembereich)
    • gemessen durch Vorgabe von Alltagsproblemen eines bestimmten Inhaltsbereichs



zutreffende Lösung aus vorgegebenen Antworten auswählen



  • Untersuchungen im Verkaufsbereich, Management, Wissenschaft





Verhältnis praktischer Intelligenz zu klassischen Intelligenztheorien:

  • Sternberg meint zur Theorie von Cattell:

Gf ist wichtig für Lösung neuartiger Probleme Gc ist wichtig für Lösung von prakt. Alltagsprobl.

  • Denney & Palmer (1981) testete 20 ? 79 jährige auf praktische Problemlösung
    • Merken von Zahlenreihen erreicht den Höhepunkt mit 20 Jahren
    • Praktische Problemlösefähigkeit hat den Höhepunkt mit 40 ? 50 Jahren ? danach

Abfall

  • Cornelius & Caspi (1987) untersuchten 20 ? 78 jährige auf Alltagsprobleme
    • Gc und praktische Problemlösung stiegen bis 70 Jahre an
    • Gf erreichte konstantes Leistungsplateau mit 30 ? 50 Jahren ? danach Abfall


  • Frames of Mind von Gardner
    • Prakt.I. liegt bei ihm im Bereich der personalen Intelligenzen


  • Baltes et al. (1984)
    • Erweiterung von Cattell
    • 2 Intelligenzbereiche:

mechanischer I. (Infoverarbeitung und Problemlösen) pragmatischer I. (Summe von angeeignetem Wissen und Fertigkeiten) = prakt. Intelligenz